Aufgewachsen mit der Landwirtschaft
Im Elternhaus von Stephanie Lohr saß der landwirtschaftliche Betrieb immer mit am Küchentisch. Ferien und Familienleben richteten sich oft danach, was auf dem Hof und in den Weinbergen gerade anstand. Ihr Bruder führt den Betrieb heute weiter und vermarktet vor allem Trauben- und Fasswein. Weinbau kennt sie deshalb nicht nur von Weinfesten, sondern auch mit Wetterrisiken, wirtschaftlichem Druck, Bürokratie und langen Arbeitstagen. Wenn Wormser Winzerinnen und Winzer über die Zukunft ihrer Betriebe sprechen, weiß sie persönlich, welche existentiellen Fragestellungen damit verbunden sind.
Seit 1983 Wormser Mädsche
Stephanie Lohr ist in Worms geboren, in Abenheim aufgewachsen und dort bis heute zu Hause. Zu ihrem Worms gehören der Dom ebenso wie die Klausenbergkapelle, das Backfischfest ebenso wie die lokalen Kerwen. Viele dieser Traditionen kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: als Besucherin, Helferin, Ortsvorsteherin und Bürgermeisterin. Für Stephanie lebt Worms von dieser Verbindung aus großer Geschichte, gewachsenen Traditionen und persönlicher Nähe.
Engagiert in Vereinen und im Ehrenamt
Vereinsleben gehört für Stephanie Lohr schon immer dazu. Sie begann im Turnverein Abenheim, spielte später Handball, tanzte, sang im Gospelchor, war Ministrantin und engagiert sich heute als stellvertretende Vorsitzende im Dombauverein Worms. Vieles, was Worms und seine Vororte lebenswert macht, entsteht dabei durch die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen. Sie schaffen Gemeinschaft, bewahren Traditionen und bringen Menschen zusammen. Dieses Engagement ist für sie eine der großen Stärken der Stadtgesellschaft.
Ab 1996 Feuerwehrfrau
Mit zwölf Jahren trat Stephanie Lohr in die Freiwillige Feuerwehr ein. Bis 2021 war sie im Einsatzdienst aktiv, zuletzt als Hauptfeuerwehrfrau. Beim Silo-Unglück in Rheindürkheim im Jahr 2008 half sie mit der Abenheimer Einheit an die Einsatzstelle und unterstützte die Technischen Einsatzleitung. Dort erlebte sie aus nächster Nähe, wie Feuerwehrführung, Verwaltung und Einsatzkräfte auch unter hohem Druck strukturiert zusammenarbeiten. Klare Zuständigkeiten, verlässliche Informationen und gegenseitiges Vertrauen waren in diesen Stunden entscheidend.
Ab 2003 Jurastudium und Volljuristin
Kurz vor dem Abitur warnte eine Lehrerin Stephanie Lohr davor, dass ein Jurastudium doch viel zu schwer sei. Sie entschied sich trotzdem dafür – oder vielleicht auch gerade deshalb. Sie studierte Rechtswissenschaften in Mannheim und legte beide Staatsexamina ab. Später arbeitete sie unter anderem im Gesellschafts-, Energie- und Arbeitsrecht und ergänzte ihre Ausbildung um einen Executive MBA. Zu ihrem Beruf gehörte es, rechtliche Vorgaben mit wirtschaftlichen Interessen und praktischen Abläufen zusammenzubringen. Diese Verbindung prägt bis heute ihren Blick auf Verwaltung und politische Entscheidungen.
Führungserfahrung in Wirtschaft und Politik
„Stimmung vor Performance“ mit diesem Führungsgrundsatz konnte Stephanie Lohr anfangs wenig anfangen. Heute weiß sie: Wer Ergebnisse erzwingt und dabei das Team verliert, gewinnt meist nur kurzfristig. Als Geschäftsführerin mehrerer Energiegesellschaften, Volljuristin und stellvertretende Personalleiterin bei den Technischen Werken Ludwigshafen sowie später in Politik und Verwaltung führte sie Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Arbeitsweisen zusammen. Ihr Stil: Richtung geben, Entscheidungen erklären, Verantwortung übernehmen und denjenigen Raum lassen, die sie umsetzen. Denn gute Führung schafft die Bedingungen, unter denen ein Team dauerhaft gute Arbeit leisten kann.
2019 bis 2021 Ortsvorsteherin von Abenheim
Als Ortsvorsteherin war Stephanie Lohr eng in das Leben Abenheims eingebunden. Im Gespräch mit Vereinen, engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie den Menschen im Ort nahm sie ihre Anliegen auf und brachte sie in die Arbeit des Ortsbeirats und gegenüber der Stadt ein. Dabei ging es um die Ortsverwaltung und die medizinische Versorgung ebenso wie um Feste, Kultur und das Vereinsleben. Viele Themen wirken von außen klein, entscheiden vor Ort aber ganz konkret über Lebensqualität. Diese Zeit prägt auch ihren Blick auf die anderen Wormser Vororte, von denen jeder seine eigene Identität, seine Stärken und berechtigten Wünsche hat.
2019 bis 2021 Landtagsabgeordnete
Im rheinland-pfälzischen Landtag war Stephanie Lohr umwelt- und energiepolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Dort erlebte sie, wie politische Entscheidungen entstehen und was sie für Kommunen und Unternehmen bedeuten. Aus dieser Zeit sind ihr ein starkes Netzwerk und kurze Wege nach Mainz geblieben. Wenn es für Worms darauf ankommt, hat sie den Ministerpräsidenten aus der gemeinsamen Zeit als Abgeordnete in der Kurzwahl. Nach ihrem Ausscheiden 2021 sprach sie offen darüber, dass Niederlagen zur Demokratie gehören und neue Wege eröffnen können. Wenige Monate später wurde sie Wormser Bürgermeisterin. Was in Mainz beschlossen wird, muss sich schließlich auch vor Ort bewähren.
Seit 2021 Bürgermeisterin der Stadt Worms
Als Bürgermeisterin leitet Stephanie Lohr das Dezernat II für Sicherheit und Ordnung sowie Gesellschaft und Wirtschaft. Ihr Alltag reicht dabei von sehr detaillierten Fragen in der Innenstadt über Leitung und Verantwortung der Ebwo (Entsorgungs- und Baubetriebe Worms) und Projekten der Touristinfo (unter anderem die Wormsliebe-Kampagne) bis zur langfristigen Entwicklung des Wirtschaftsstandorts. In den vergangenen Jahren hat sie unter anderem den Bürgerservice effizienter gemacht, die Parkhäuser modernisiert, den kommunalen Vollzugsdienst gestärkt, die Innenstadtentwicklung vorangetrieben und in der Umstrukturierung des Salamandergeländes Krisenmanagement bewiesen. Als erste Stellvertreterin von Adolf Kessel übernimmt sie regelmäßig die Verantwortungen des Oberbürgermeisters und ist in seine Abläufe eingearbeitet.